Prüfungsteil 1 wiegt 50 Prozent, Prüfungsteil 3 weitere 25 – beide mündlich. Wer die Präsentation nur im Kopf durchgeht, erfährt am Prüfungstag zum ersten Mal, wie lang fünfzehn Minuten sind. Und wie kurz.
Asset A13 · Übung
Das Simulationsprotokoll
Drei Personen, neunzig Minuten, die echten Prüfungszeiten. Eine Übungsrunde für Präsentation und Fachgespräch, die ohne Kursleitung und ohne Aufsicht läuft.
- Feste Rollen, fester Ablauf, harte Zeitnahme
- Beobachtung statt Urteil – hier benotet niemand
- Dreimal durchgeführt, sitzt jede und jeder einmal vorn
Grundlage sind die offiziellen Dokumente von ICT-Berufsbildung Schweiz. Zitate sind als solche gekennzeichnet. Verbindlich ist dort die geltende Fassung.
Prinzip
Was das hier ist
Ein Ablaufblatt, kein Kurs. Es braucht drei Kandidatinnen oder Kandidaten und sonst niemanden.
Die Sammlung auf fa-aibs.ch liefert Material und Struktur. Was sie nicht liefern kann, ist ein Gegenüber. Präsentieren und auf Nachfragen antworten lässt sich nicht allein üben – man braucht jemanden, der die Zeit stoppt, nachhakt und hinterher sagt, wo die Antwort dünn wurde.
Dieses Blatt regelt genau das: wer was tut, wie lange, und woran entlang beobachtet wird. Es ist bewusst so geschrieben, dass niemand es moderieren muss.
Voraussetzung
Was vorliegen muss
Ohne diese vier Dinge ist die Sitzung verschenkt.
- Wer
- Drei Personen, die dieselbe Prüfung schreiben. Mehr nicht – ab vier wird zugeschaut statt gearbeitet.
- Wann
- Neunzig Minuten am Stück, ohne Unterbrechung. Ein fester Wochentag trägt weiter als ein abgestimmter Termin.
- Womit
- Die eigenen Unterlagen. Es wird nichts vorbereitet, was nicht ohnehin für die Prüfung entsteht.
Vorlauf
Was vor der Sitzung passiert
Knapp eine Stunde, verteilt auf drei Personen. Ohne diesen Vorlauf wird aus der Runde ein Gespräch statt einer Prüfung.
| Wann | Wer | Was |
|---|---|---|
| 7 Tage | alle | Rollen auslosen und alle drei Termine fixieren. Damit steht für die ganze Reihe fest, wer wann vorn sitzt. |
| 3 Tage | A an B | Die Projektzusammenfassung geht an Rolle B – nur an B, nicht in die Gruppe. Ohne den Text kann B nicht gezielt fragen, und ohne gezielte Fragen wird geplaudert. |
| 1 Tag | B | Liest und wählt die Fragen aus. Rund vierzig Minuten, Ablauf auf der nächsten Seite. |
| 1 Tag | C | Beobachtungsbogen ausdrucken oder öffnen, Uhr bereitlegen, die Ansagen aus dem Ablaufplan notieren. |
| 1 Tag | A | Nichts. |
Rollen
Drei Rollen, klar getrennt
Die Trennung ist der ganze Trick. Wer gleichzeitig fragt und protokolliert, macht beides schlecht.
| Rolle | Aufgabe | Was sie nicht tut |
|---|---|---|
| A · Kandidat | Präsentiert fünfzehn Minuten und stellt sich danach dreissig Minuten dem Fachgespräch. Spricht frei, so wie am Prüfungstag. | Nicht unterbrechen, nicht erklären, nicht vorab entschuldigen |
| B · Expertin | Führt das Fachgespräch. Fragt aus dem Katalog A10, hakt nach, wenn eine Antwort ausweicht, und bleibt sachlich freundlich. | Keine Note, keine Beratung, keine Diskussion über das Projekt |
| C · Protokoll | Nimmt die Zeit, sagt sie an, und notiert entlang der publizierten Abzugsgründe. Führt danach die Rückmeldung. | Kein Urteil, keine Ratschläge während der Runde |
Auf den folgenden Seiten heissen die drei Personen Anna, Ben und Carla. In Sitzung 1 passen die Anfangsbuchstaben zu den Rollen: Anna übernimmt A, Ben B, Carla C. Danach wandern die Rollen weiter – die Namen bleiben.
Ablauf
Neunzig Minuten, auf die Minute
Rolle C sagt jede Marke laut an. Überziehen wird nicht toleriert – genau das ist die Übung.
| Zeit | Was | Wer |
|---|---|---|
| 00–10 | Ankommen, Technik prüfen, Rollen bestätigen. Rolle A nennt in zwei Sätzen das Projekt, damit B einordnen kann. | alle |
| 10–25 | Präsentation. Fünfzehn Minuten, harter Schnitt. C sagt nach 10, 14 und 15 Minuten Redezeit an. | A spricht |
| 25–55 | Fachgespräch. Dreissig Minuten, Fragen aus A10 zu den deklarierten Handlungskompetenzen. | B fragt, A antwortet |
| 55–75 | Rückmeldung entlang des Bogens. Erst C mit den Beobachtungen, dann B mit dem Eindruck aus dem Gespräch, zuletzt A. | C führt |
| 75–90 | Reserve, offene Fragen, nächster Termin und Rollentausch vereinbaren. | alle |
Wer in der Übung überziehen darf, überzieht in der Prüfung auch – nur kostet es dort. Zwei Minuten Reserve einplanen und auf dreizehn Minuten proben ist die einzige Absicherung, die zuverlässig funktioniert.
Rolle B
Vierzig Minuten am Vortag
Wer unvorbereitet fragt, fragt nach dem Projekt statt nach den Kompetenzen. Dann ist die halbe Stunde weg.
- Die Zusammenfassung einmal ganz lesen, ohne Stift. Nur, um zu verstehen, worum es geht.
- Zweiter Durchgang: die deklarierten Handlungskompetenzen markieren. Sie stehen im Text und bestimmen, worüber gesprochen wird.
- Zu jeder davon eine Stelle suchen, an der Rolle A eine Entscheidung getroffen hat. Aus Entscheidungen werden gute Fragen, aus Beschreibungen nicht.
- Acht bis zehn Fragen aus dem Katalog A10 wählen, mindestens je zwei zu B3, C3, C4 und C5. Mehr als zehn schafft niemand in dreissig Minuten.
- Neben jede Frage eine Nachfrage schreiben. Meist genügt «Woran haben Sie das festgemacht?».
- Drei Stellen notieren, an denen der Text etwas behauptet, ohne es zu belegen. Das sind erfahrungsgemäss die ergiebigsten Fragen.
Rolle B
Im Gespräch
- Eine Frage stellen, dann schweigen. Die Pause gehört der Rolle A.
- Immer einmal nachfragen: «Woran haben Sie das festgemacht?» oder «Was wäre die Alternative gewesen?» Die zweite Antwort ist die aussagekräftige.
- Bei einer ausweichenden Antwort nicht weitergehen, sondern dieselbe Frage anders stellen. Genau dort liegt die Vorbereitungslücke.
- Nicht helfen. Kein «Sie meinen vermutlich…». Am Prüfungstag hilft auch niemand.
Rolle C
Der Beobachtungsbogen
Fünf der zwölf publizierten Abzugsgründe lassen sich live beobachten. Nur diese fünf gehören hierher.
Zur Präsentation
Zum Fachgespräch
Rückmeldung
Zwanzig Minuten, in dieser Reihenfolge
Die Reihenfolge ist Absicht: Beobachtung zuerst, Deutung später, Selbsteinschätzung zuletzt.
- Rolle C, acht Minuten: was beobachtet wurde. Zeiten, Struktur, Stellen mit Stocken. Sätze der Form «bei Minute neun kam ein Rückgriff auf Folie zwei» – keine Bewertung, keine Empfehlung.
- Rolle B, sieben Minuten: welche Fragen tragfähig beantwortet wurden und bei welchen nachgefragt werden musste. Eine Frage benennen, die offen blieb.
- Rolle A, fünf Minuten: was sich anders angefühlt hat als beim stillen Üben. Und eine einzige Sache, die bis zur nächsten Runde geändert wird.
Zyklus
Dreimal derselbe Ablauf
Geplant wird einmal. Alles andere wiederholt sich dreimal.
Vor jeder der drei Sitzungen gleich
- 3 TageText an B
Wer vorn sitzt, schickt die Zusammenfassung an die Person, die fragt.
- 1 TagB liest, C richtet her
Vierzig Minuten Fragenauswahl, Beobachtungsbogen und Uhr bereit.
- SitzungNeunzig Minuten
Präsentation, Fachgespräch, Rückmeldung. Danach rücken alle eine Rolle weiter.
Zyklus
Was die drei Runden unterscheidet
- Sitzung 1
- Die unangenehmste und die wertvollste. Sie zeigt vor allem, wie die Zeit sich verhält.
- Sitzung 2
- Wer schon vorn sass, fragt jetzt. Das Fragen schärft den Blick auf die eigene Zusammenfassung stärker als das Antworten.
- Sitzung 3
- Jede und jeder war einmal in jeder Rolle. Danach ist die Gruppe fertig – oder beginnt von vorn, mit überarbeiteten Präsentationen.
Fehler
Woran solche Runden scheitern
- Zu viele Leute
- Ab vier wird zugeschaut. Drei ist keine Verlegenheitszahl, sondern die Bedingung.
- Weiche Zeitnahme
- «Sprich ruhig fertig» ist der häufigste und teuerste Satz. Rolle C schneidet hart.
- Beraten statt beobachten
- Sobald Rolle C Verbesserungen vorschlägt, wird diskutiert statt geübt. Beobachtung wirkt ohnehin stärker.
- Gegenseitiges Schonen
- Wer nicht nachfragt, ist nicht nett, sondern unbrauchbar. Die Prüfung fragt nach.
- Kein Folgetermin
- Ohne fixierten nächsten Termin endet die Reihe nach der ersten Sitzung.
Grenzen
Was dieses Blatt nicht kann
- Es sagt nicht, wie bewertet wird. Detaillierte Bewertungskriterien werden nicht veröffentlicht; die fünf Beobachtungspunkte sind publizierte Abzugsgründe, nicht ein Bewertungsraster.
- Es ersetzt keine inhaltliche Prüfung der Projektzusammenfassung. Diese Runde übt den Vortrag, nicht den Text.
- Es deckt Prüfungsteil 3 nicht ab. Die Critical Incidents laufen anders; Übungsfälle dafür liegen in A9.
Fünfundvierzig Minuten laut sprechen schlagen zehn Stunden lesen.
Übungspartner findest du in der Lerngruppe auf LinkedIn. Der Fragenkatalog A10, die inverse Checkliste A4 und die Übungsfälle A9 liegen auf fa-aibs.ch.